Wissen um die Kostbarkeit -Zeit

Menschen sterben jeden Tag

Nun ist es doch geschehen. Mein Vater ist verstorben. Nein, er hatte kein Corona. Sein Leben war einfach zu Ende. Sein Sterben dauerte nur wenige Stunden. Und ich konnte bei ihm sein und Abschied nehmen. Das ist bei der momentanen Situation nicht selbstverständlich. Pflegeheime sind für Besucher geschlossen. Man darf seine Angehörigen nicht sehen. Das ist für viele Menschen  sehr schmerzlich, denn keiner weiß wieviel Zeit einem noch für gemeinsame Stunden bleibt, wenn ein Angehöriger schon über 80 Jahre alt ist und pflegebedürftig.

Die Zeit heilt alle Wunden

so sagt man. Aber was ist das für eine Zeit, in der wir die alten Menschen schützen sollen, weil sie zu den gefährdeten Personen gehören. Corona soll sie besonders heftig treffen. Doch die Kehrseite der Sache ist, dass ich wochenlang meinen dementen Vater nicht besuchen durfte. Ich musste ihn alleine lassen. Er war sicher gut versorgt. Die Pflegekräfte haben alles getan, um den Bewohnern im Pflegeheim das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Ich habe größten Respekt vor Menschen, die in der Pflege arbeiten. Mir ist auch klar, dass im Moment nichts so ist wie wir es kennen. Es ist eine verwirrende Zeit. Eine Zeit, die uns ausbremst und zum Nachdenken zwingt. Gleichzeitig fordert sie bedachtes und waches Handeln.

In diesen Zeiten sich von einem nahe stehenden Verstorbenen zu verabschieden ist nicht leicht. Genau genommen ist es nie leicht. Auch zu einer anderen Zeit wäre ich vermutlich traurig, verwirrt und irgendwie auch dankbar. Auch als Coach mit viel Erfahrung mit Trauerbegleitung bin ich in diesem Moment einfach Tochter, deren Vater verstorben ist.

Doch eine Beerdigung mit vielen Menschen, Rosenkranz und Messe in der Kirche, so wie es im traditionell katholischen Bayern noch oft üblich ist, das geht gerade nicht. Wie gut, dass sich mein Vater sowieso nur eine ganz stille Beerdigung wünschte. Ich konnte ihm seinen Wunsch erfüllen und  brauchte mir wegen der komplizierten äußeren Umstände keinen Kopf machen. Wie gut, dass wir über Sterben und alles was dazu gehört sprechen konnten.

Wohin sind all die Jahre…

Das frage ich mich gerade auch. Viele Erinnerungen begleiten mich immer wieder durch meinen Alltag. Ich werde traurig und dann kommen mir Erinnerungen, die mich zum  Lachen bringen.

Mir ist bewusst, dass es völlig normal ist, wenn Gefühle Berg und Tal gehen, wenn Tränen fließen, weil die Traurigkeit so stark wird, aber auch weil manche Erinnerungen einfach nur schön sind.

Mein Leben geht weiter. Und meine Trauer sucht ihren Weg in mein Leben. Ich suche die Stille, aber auch das Gespräch. Ein Mensch fehlt in meinem Leben. Er hat einen Platz hinterlassen, der nicht mehr besetzt werden wird.

Sie haben sich auch von einem Menschen verabschieden müssen? Sie konnten sich nicht verabschieden oder hätten mit ihm noch was klären wollen. Dann bleiben sie damit nicht alleine. Die Intensität von Trauer, wie sie gelebt und verarbeitet wird, das ist etwas sehr persönliches. Es gibt auch kein Richtig oder Falsch und keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt.

In Kirchengemeinden finden Trauernde Gruppen oder die Möglichkeit zum Gespräch mit dem Pfarrer. Aber viele Menschen haben heute kaum mehr einen Bezug zur Kirche..

.Sie suchen Begleitung und Unterstützung in Ihrer Trauer? Nehmen sie gerne Kontakt mit mir auf.